Sankt Valentin in Venedig
Ein Buch des Übergangs in der beeindruckend und bewegenden Biografie von Friedrich Nietzsche, „Die Fröhliche Wissenschaft“ (1882) ist ein Werk, welches mit seinen Aphorismen vielleicht eine Phase der Konstruktion der Werte des deutschen Schriftstellers beginnt, das heißt der Versuch der Kreation einer Lebenskunst. Der Titel des Buches bezieht sich auf die Kunst der mittelalterlichen Troubadours der Provence, anhand deren Werk sich die westliche Vorstellung von Liebe und dieser poetische Geist formte, der diesen Text von Beginn an begleitet.

In seinen vitalen und bewegenden Sätzen beschreibt Nietzsche Die Fröhliche Wissenschaft als ein niedergeschriebenes Erlebnis mit der Sprache eines kalten Windes. Ein Wind, der uns den Winter am eigenen Leib spüren lässt, so wie der „Sieg, der kommt, der kommen muss, oder der vielleicht den Winter schon überwunden hat…“. Denn die Gaya Szienzia ist für Nietzsche nichts anderes als die „saturnalischen Feste eines Geistes, der lange Zeit dem Druck standhielt ….(und) der nun von der Hoffnung überrascht wird, vom Rausch der Rekonvaleszenz“.
Das komplette Buch wäre nicht mehr als diese Feste, wo man das ganze Glück der Rückkehr der Stärke spürt, die uns erlaubt uns an einem „plötzlichen Gefühl und Vorahnung der Zukunft zu erfreuen, der nahenden Abenteuer, der Meere, die sich wieder öffnen, der Ziele, an die man wieder glaubt.“ Im antiken Rom waren die Saturnalien, die Vorgänger unserer Karnevale, heidnische Feste, die die Geburt der Sonne und den Beginn der langen Tage durch die Kultivierung der Fleischeslüste gefeiert wurden. Die Rückkehr des Lichtes in das Leben, dessen Frühlingsschein schon gewissermaßen erahnt werden kann, auf dieselbe Art und Weise wie man in Venedig beginnt die Aromen des Schein des Orients zu fühlen und zu sehen, wo die Sonne aufkommt.
Vielleicht gibt es in Europa deshalb keine bessere Stadt für den Karneval als Venedig, Territorium des Übergangs zwischen dem Orient und dem Okzident, des Lichtes und der Dunkelheit, des Soliden und des Flüssigen, der Wache und dem Traum.
Dieses Jahr findet der Karneval gleichzeitig zum Sankt Valentinstag statt, ein Fest, das ebenfalls mit dieser Jahreszeit zusammenhängt, in der das Licht sich in Liebe verwandelt, und die Vögel sich paaren und den Himmel mit ihrem Gesang füllen. Vielleicht scheint es deshalb die perfekte Stadt, um den 14. Februar auf eine neue Art und Weise zu erleben.
Wenn in dieser Stadt diese Feste oft geisterhafte Töne annehmen, dann ist dies vielleicht eine Erinnerung daran, dass alles vergänglich ist. Das Schöne ist traurig, weil es sterben muss, und das macht es umso schöner. Aber es wird wiedergeboren werden, weil das Ende der Dinge auch gleichzeitig ihr Anfang ist. Denk daran, wenn du appartments in Venedig mietest.




Übersetzt: Grete Tal



Übersetzt: Heloise Battista


Candela Vizcaíno







