Christian Boltanski eröffnet den Französischen Pavillion auf der Biennale von Venedig
Am 4. Juni wurde der Französische Pavillon von einem Künstler eröffnet, der in seinen Arbeiten das Verhältnis von Kunst und Geschichte bearbeitet: Christian Boltanksi. Der Grund für dieses enge Verhältnis des Künstlers mit der Politik hat einen biographischen Hintergrund: Boltanski wurde 1944 im Schoss einer Familie geboren, die durch den Holocaust gebrandmarkt war, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Seine Ausbildung war autodidaktisch, er begann schon im frühen Alter zu malen, im Jahr 1958 und in einem Interview sagte er, dass zwischen 1969 und 1971 er damit beschäftigt war, seine Kindheit mittels Fotografien zu rekonstruieren.

Er wurde Ende der 60er Jahre wegen seiner Kurzfilme bekannt und später wegen seiner Filme und Skulpturen, obwohl die Werke, die ihm schließlich zu internationaler Anerkennung verhalfen Installationen waren, in denen er mittels des Archivs ein historisches Gedächtnis konstruierte. Inden 70ern widmete er sich au der Rekonstruktion von Objekten, die ihm zwischen den Jahren 1948 und 1954 gehört hatten.
Seine Installationen befassen sich mit der Abwesenheit und Boltanski streicht heraus, dass jede momentane Abwesenheit die Spur einer vergangenen Anwesenheit ist, von irgendwas, was verschwunden ist und eine Leere hinterlassen hat. Ein Loch gefüllt mit Spuren und Hinweisen, die man retten muss, um dasjenige zu rekonstruieren, was von der Geschichte gelöscht werden sollte. Aber, was ist ein Archiv? Ein Archiv besteht aus der Sammlung von den Resten, die zurückgeblieben sind, jene Spuren und Hinweise, anhand derer man vergessene Geschichten nacherzählen kann, wie beispielsweise Fotografien oder andere Objekte.
Es ist interessant zu sehen wie dieser Künstler die Realität in seinem Drang nach Erhaltung mit der Fiktion vermischt und auf diese Weise eine wichtige Reflektion über die Natur der „Geschichte“ anstößt: jede Begebenheit, aus der Perspektive von Boltanksi beobachtet, verwandelt sich in Geschichte und jede Geschichte ist teils unabhängig von der Realität, da der Zuschauer eine Konstruktion vorgesetzt bekommt, die keineswegs „objektiv“ sein kann. Jemand könnte konstatieren, dass eine Installation voll mit Objekten nicht schon eine Interpretatin sein kann, aber nichts desto trotz sagt doch schon allein die Auswahl und Reihenfolge etwas über den Blick des Autors aus. In diesem Sinne könnte man meinen, dass jedes Mal, wenn man ein Bild sieht, in Wirklichkeit dasjenige von Interesse ist, was in ihm nicht zu sehen ist, statt das, was es augenscheinlich repräsentieren möchte.
Boltanksi repräsentiert Frankreich auf der 54. Biennale von Venedig mit seinem Werk „Chance“, in dem er sich dem Thema des Zufalls widmet. Auf www.boltanski-chance.com kann man eine Version dieses Werks begutachten.
menschauser
Wenn du ein Kunst-und Geschichtsfan bist, dann mieten wir dir appartments in Venedig zu mieten, um das Werk „Chance“ aus der Nähe betrachten zu können.
Übersetzt: Heloise Battista
Kontaktieren Sie mich


Übersetzt: Miss Moci
mia1603


CC







